Wenn das geliebte Haustier stirbt– wie gehen Kinder damit um?

Apr 27, 2017 von


Kinder gehen ganz anders mit dem Tod um als erwachsene Menschen. Sie sehen das Ende des Lebens nicht als Tabu an, reden über ihren Verlust und weinen laut, wenn ihr Haustier stirbt. Manchmal kommen sie aber auch erstaunlich schnell mit der Situation klar.

Das Haustier ist für viele Kinder DER Begleiter der Kindheit. Umso schwieriger fällt die Tatsache, dass auch Tiere nicht ewig leben. fotolia.com; Jenny Sturm

Das Haustier ist für viele Kinder DER Begleiter der Kindheit. Umso schwieriger fällt die Tatsache, dass auch Tiere nicht ewig leben. fotolia.com; Jenny Sturm

Der Tod eines Haustiers ist für Kinder oft die erste Begegnung mit der Sterblichkeit

Ein Kind, das erst wenige Jahre alt ist, hat meistens noch keinen schmerzhaften Verlust durch den Tod von lieben Verwandten oder auch von Tieren erleben müssen. Wenn der Hamster oder die Hauskatze stirbt, ist das ein großer Schreck für den Nachwuchs. Im Vergleich zum Menschen haben Haustiere im Allgemeinen nur eine kurze Lebensspanne, sodass Kinder von beispielsweise zehn Jahren bereits den Tod von mehreren Haustieren miterleben mussten.

Einige Eltern versuchen, den Verlust des gestorbenen Tiers durch den Kauf eines neuen auszugleichen. Ein solcher Ersatz soll das Kind davor bewahren, sich mit der Sterblichkeit zu beschäftigen. Dabei wäre es vielleicht gesünder, ebenso wie frühere Generationen etwas entspannter mit dem Tod umzugehen. Auf jeden Fall sollten die Eltern einfühlsam handeln und ihrem Nachwuchs Zeit zum Trauern lassen. Das hilft dabei, den Verlust zu akzeptieren und sich an den Lauf der Welt zu gewöhnen.

Fragen zum Tod

Wenn das geliebte Haustier stirbt, bricht zuerst große Traurigkeit aus. Hinzu kommt eine gewisse Angst, die Fragen aufwirft. Nicht nur in der sogenannten „Warum-Phase“ möchte der Nachwuchs mehr über das Thema wissen:

  • Hat das Haustier Schmerzen, wenn es sterben muss?
  • Wohin kommt es, wenn es tot ist?
  • Gibt es einen Himmel für Haustiere?
  • Müssen wir auch sterben?
  • Ist es gefährlich, einzuschlafen, weil ich dann vielleicht auch sterbe?

Die Antworten helfen den Kindern dabei, über ihre Trauer hinwegzukommen. Aber wie ehrlich darf man als Erwachsener sein? Es gibt unterschiedliche Phasen in der Entwicklung, in denen der Nachwuchs teilweise relativ nüchtern mit dem Thema Tod umgeht oder extrem empfindlich reagiert. Darauf sollten die Eltern unbedingt Rücksicht nehmen.

Manchmal wissen die Erwachsenen schon im Voraus, dass das Haustier sterben muss. Vielleicht ist der Hund schon sehr alt oder hat eine tödliche Krankheit. Hier kommt die Frage auf, wann und wie man seinem Nachwuchs erklärt, dass das Tier bald eingeschläfert wird. Tatsächlich verstehen auch schon kleine Kinder, dass es in bestimmten Situationen sinnvoll sein kann, dem Haustier unnötiges Leid zu ersparen.

Nicht ausweichen, sondern erklären

Ausweichmanöver bringen weder die Eltern noch die Kinder weiter. Normalerweise merkt ein Kind, ob die Eltern ehrlich sind oder ihm etwas verheimlichen. Es fühlt sich jedoch sicherer, wenn die Eltern ihm genau sagen, was passiert ist. Die Tierärzte kennen sich mit den schwierigen, manchmal tränenreichen Diskussionen aus und können detaillierte Erklärungen liefern. Darum sind die Mediziner oft die richtigen Ansprechpartner, denn sie konzentrieren sich auf das Wesentliche und wissen im Allgemeinen, was sie den Kindern zumuten können.

Eltern sind emotional stark involviert und möchten ihren Nachwuchs vor unangenehmen Erlebnissen schützen. Dabei können sie den Kindern meistens sehr viel mehr zutrauen. Das ist gerade dann wichtig, wenn die Bindung zwischen Kind und Haustier sehr intensiv ist. Durch eine behutsame aber ehrliche Kommunikation lassen sich Traumata vermeiden. Etwas ältere Kinder möchten vielleicht sogar dabei sein, wenn die Euthanasie stattfindet. Das ist zwar eine Art Schock, erleichtert aber in vielen Fällen das Abschiednehmen.

Auf keinen Fall sollte sich das Kind mit seinem Schmerz allein gelassen fühlen. Darum müssen die Eltern ihrem Kind in der schwierigen Phase zur Verfügung stehen. In den Tagen nach dem Tod des Haustiers kommt es zu den typischen Trauerphasen: seelischer Schmerz, große Traurigkeit und oft auch Wut, die teilweise mit der Suche nach einem Schuldigen einhergeht.

Diese Aggressivität sollte nicht von Anfang an unterbunden werden: Jeder Mensch muss seine angestauten Emotionen frei lassen können. Und tatsächlich tendieren auch viele Erwachsene dazu, jemandem die Schuld für ein Unglück zu geben. Wer jedoch einigermaßen ruhig bleibt, der kann die Akzeptanz auch auf seinen Nachwuchs übertragen.

Zeit, sich zu verabschieden

Ob ein Tier plötzlich stirbt oder sich der Tod schon andeutet, jeder in der Familie braucht Zeit, um die Situation zu akzeptieren und um sich von dem Haustier zu verabschieden. In dieser Phase werden auch die praktischen Maßnahmen geklärt:

  • Die Begleitung in den letzten Stunden,
  • die Art der Bestattung,
  • eventuell die Planung einer kleinen Trauerfeier,
  • der Erinnerungsaustausch

Bei der Bestattung des Haustieres gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit dieses seine letzte Ruhe findet. Zudem hilft die Bestattung den Kindern dabei, sich in Ruhe von ihrem geliebten Haustier zu verabschieden. Unter Umständen können die Kinder ihren Liebling dann auch ab und zu am Bestattungsort besuchen.

Ein wichtiger Schritt der Trauerbewältigung. Das Errichten einer Grabstätte erschafft einen Ort, um das geliebte Tier trotz Verlust zu besuchen. fotolia.com; Berty

Ein wichtiger Schritt der Trauerbewältigung. Das Errichten einer Grabstätte erschafft einen Ort, um das geliebte Tier trotz Verlust zu besuchen. fotolia.com; Berty

Bei einer Einzelkremierung beispielsweise darf man die Urne anschließend im eigenen Garten vergraben. Die Tierkörperbeseitigungsanlage ist im Gegensatz dazu eine unpersönliche aber auch günstigere Lösung. Als Zwischenlösung bietet sich die Sammeleinäscherung an. Hier erhalten die Tierhalter eine Urkunde über die Einäscherung.

Die Asche des Haustiers wird über einem Beet vom Krematorium ausgestreut oder direkt auf dem dazugehörigen Gelände beigesetzt.

Wer ein eigenes Grundstück mit Garten besitzt, darf das Haustier abhängig von der Gemeindeordnung eventuell auch direkt hier beerdigen. Hier sind jedoch bestimmte Regelungen einzuhalten. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, einen Tierfriedhof zu nutzen.

Unabhängig von der Art der Bestattung wird sich die Familie noch lange Zeit an das treue Haustier erinnern. Das gelingt durch Fotos und durch Erinnerungsstücke wie das Halsband oder Lieblingsspielzeug des Tieres. Wenn sich später einmal ein anderes Haustier zur Familie gesellt, so ist es alles andere als ein Ersatz und die guten Erinnerungen an das gestorbene Tier bleiben lebendig.

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