Wenn im Spätsommer und Herbst die Zwetschken reif sind, fallen Ernte und Angebot oft besonders üppig aus. Dann stellt sich schnell die Frage: Wie kann man viele Zwetschken verwerten, bevor sie weich werden oder verderben? Die gute Nachricht: Zwetschken sind ausgesprochen vielseitig. Sie schmecken in klassischen Mehlspeisen ebenso gut wie in Marmelade, Kompott, Kuchen oder einem würzigen Chutney. Viele Rezepte lassen sich außerdem gut vorbereiten, einkochen oder einfrieren. Hier findest du zehn einfache Ideen, mit denen du frische Zwetschken süß, herzhaft und möglichst restlos verarbeiten kannst.
Warum sich Zwetschken so gut verarbeiten lassen
Zwetschken besitzen ein festes Fruchtfleisch, eine angenehme Säure und ein intensives Aroma. Beim Backen und Kochen behalten sie meist besser ihre Form als viele andere Pflaumensorten.
Sie eignen sich unter anderem zum:
- Backen
- Kochen
- Einkochen
- Einfrieren
- Trocknen
- Verfeinern von Saucen
- Zubereiten von Desserts
- Kombinieren mit herzhaften Gerichten
Reife Zwetschken erkennt man an ihrer kräftigen blauen bis violetten Schale. Sie sollten leicht nachgeben, aber noch nicht matschig sein.
1. Klassische Zwetschkenknödel
Zwetschkenknödel gehören zu den beliebtesten Rezepten der österreichischen Küche. Je nach Vorliebe werden sie mit Kartoffelteig, Topfenteig oder Brandteig zubereitet.
Zutaten für etwa 8 bis 10 Knödel:
- 8 bis 10 Zwetschken
- 500 g Kartoffeln oder ein vorbereiteter Topfenteig
- Mehl nach Bedarf
- 1 Ei
- etwas Salz
- Semmelbrösel
- Butter
- Zucker und Zimt
Zubereitung:
Die Zwetschken waschen und entsteinen. Aus dem Teig kleine Portionen formen, jeweils eine Zwetschke hineinsetzen und sorgfältig verschließen.
Die Knödel in leicht siedendem Salzwasser gar ziehen lassen. In der Zwischenzeit Semmelbrösel in Butter goldbraun rösten und mit Zucker sowie Zimt vermischen. Die fertigen Knödel darin wälzen.
2. Zwetschkenfleck vom Blech
Ein Zwetschkenfleck ist ideal, wenn viele Früchte auf einmal verarbeitet werden sollen. Der klassische Blechkuchen gelingt mit Germteig, Rührteig oder einem einfachen Mürbteig.
So funktioniert es:
Den vorbereiteten Teig auf einem Backblech verteilen. Die Zwetschken halbieren, entsteinen und dicht nebeneinander auflegen. Nach Wunsch mit Zimt, Zucker oder Streuseln bestreuen.
Je nach Teig wird der Kuchen bei etwa 175 bis 190 Grad gebacken, bis der Boden durchgebacken und die Früchte weich sind.
Zwetschkenfleck schmeckt frisch besonders gut, lässt sich aber auch portionsweise einfrieren.
Ein gutes Rezept von mir für einen Zwetschkenfleck findet ihr hier: Rezept für einen Blechkuchen mit Obst
3. Zwetschkenmarmelade selber machen
Mit selbst gemachter Zwetschkenmarmelade lässt sich die Ernte für viele Monate haltbar machen.
Grundrezept:
- 1 kg entsteinte Zwetschken
- Gelierzucker nach Packungsangabe
- Saft einer halben Zitrone
- optional Zimt, Vanille oder etwas Rum
Die Zwetschken klein schneiden und mit Gelierzucker sowie Zitronensaft vermischen. Kurz ziehen lassen, anschließend aufkochen und nach Packungsangabe sprudelnd kochen. Die heiße Marmelade in saubere, sterilisierte Gläser füllen und sofort verschließen.
Beliebte Varianten:
- Zwetschke und Zimt
- Zwetschke und Apfel
- Zwetschke und Vanille
- Zwetschke und Schokolade
- Zwetschke und Rum
4. Powidl einkochen
Powidl ist ein besonders dick eingekochtes Zwetschkenmus. Traditionell kommt es ohne oder mit nur sehr wenig zusätzlichem Zucker aus.
Zubereitung im Backofen
Die entsteinten Zwetschken in einen großen Bräter geben und bei niedriger Temperatur mehrere Stunden langsam einkochen. Zwischendurch umrühren, damit nichts anbrennt. Der Powidl ist fertig, wenn er dunkel, dick und streichfähig ist.
Er passt besonders gut zu:
- Buchteln
- Palatschinken
- Germknödeln
- Brot
- Mehlspeisenfüllungen
5. Zwetschkenkompott
Ein schnelles Zwetschkenkompott eignet sich als Dessert, Beilage oder Vorrat für den Winter.
Zutaten:
- 500 g Zwetschken
- 200 bis 250 ml Wasser
- Zucker nach Geschmack
- 1 Zimtstange
- einige Gewürznelken
- optional ein Stück Zitronenschale
Die Zwetschken halbieren und entsteinen. Mit Wasser, Zucker und Gewürzen kurz köcheln lassen, bis die Früchte weich sind, aber nicht vollständig zerfallen. Zwetschkenkompott schmeckt zu Kaiserschmarrn, Grießbrei, Joghurt oder Vanilleeis.
6. Zwetschken-Crumble
Ein Crumble ist ideal, wenn es schnell gehen soll. Die Früchte werden mit knusprigen Streuseln überbacken.
Zutaten für die Füllung:
- 600 g Zwetschken
- etwas Zimt
- 1 bis 2 EL Zucker
Zutaten für die Streusel:
- 100 g Mehl
- 80 g Butter
- 60 g Zucker
- optional Haferflocken oder gehackte Nüsse
Die Zwetschken in eine Auflaufform geben. Die Zutaten für die Streusel mit den Fingern verkneten und darüber verteilen. Bei etwa 180 Grad backen, bis die Oberfläche goldbraun ist. Warm mit Vanilleeis, Schlagobers oder Naturjoghurt servieren.
7. Zwetschkenröster
Zwetschkenröster ist ein Klassiker zu Kaiserschmarrn und anderen österreichischen Süßspeisen. Im Unterschied zu Kompott wird er meist mit wenig oder gar keinem Wasser gekocht.
Zubereitung:
Die entsteinten Zwetschken mit Zucker, Zimt und etwas Zitronensaft langsam erhitzen. Die Früchte geben dabei ausreichend Saft ab. Kurz köcheln lassen, bis ein dickes, fruchtiges Röster entsteht. Die Zwetschken dürfen dabei ruhig teilweise zerfallen. Im Kühlschrank hält sich frisch gekochter Zwetschkenröster einige Tage. Für eine längere Haltbarkeit kann er heiß in vorbereitete Gläser gefüllt werden.
Ein gutes Rezept von mir, findet ihr hier: Rezept für einen Zwetschken-Röster
8. Zwetschken im Speckmantel
Zwetschken eignen sich nicht nur für süße Rezepte. Als Zwetschken im Speckmantel werden sie zu einer schnellen Vorspeise oder einem Snack für Gäste.
Zubereitung:
Frische Zwetschken halbieren und entsteinen. Jede Hälfte mit einer Scheibe Speck umwickeln und mit einem Zahnstocher fixieren. In der Pfanne oder im Backofen braten, bis der Speck knusprig ist.
Besonders gut passen dazu:
- Ziegenkäse
- Blauschimmelkäse
- Walnüsse
- Rucola
- Balsamico
9. Zwetschken-Chutney
Ein würziges Zwetschken-Chutney passt hervorragend zu Käse, Wild, Braten, Gegrilltem oder vegetarischen Gerichten.
Zutaten:
- 1 kg Zwetschken
- 2 Zwiebeln
- 150 ml Apfelessig
- 150 bis 200 g brauner Zucker
- 1 kleines Stück Ingwer
- Zimt
- Nelken
- Pfeffer
- optional Chili
Zubereitung:
Die Zwetschken entsteinen und klein schneiden. Zwiebeln fein würfeln. Alle Zutaten in einen Topf geben und bei kleiner Hitze langsam einkochen. Regelmäßig umrühren, bis eine dicke, marmeladenartige Konsistenz entsteht. Heiß in saubere Gläser füllen. Das Chutney gewinnt nach einigen Tagen an Aroma und eignet sich auch gut als selbst gemachtes Geschenk aus der Küche.
10. Zwetschken einfrieren oder trocknen
Nicht immer bleibt Zeit zum Kochen oder Backen. In diesem Fall können Zwetschken einfach haltbar gemacht werden.
Zwetschken einfrieren:
Die Früchte waschen, halbieren und entsteinen. Anschließend zunächst einzeln auf einem Brett oder Blech vorfrieren. Danach in Gefrierbeutel oder geeignete Behälter füllen. Durch das Vorfrieren kleben die Früchte weniger stark zusammen und können später portionsweise entnommen werden.
Gefrorene Zwetschken eignen sich für:
- Kuchen
- Knödel
- Kompott
- Röster
- Smoothies
- Saucen
Zwetschken trocknen
Zwetschken können im Dörrgerät oder bei niedriger Temperatur im Backofen getrocknet werden. Dafür die Früchte halbieren und entsteinen. Getrocknete Zwetschken passen zu Müsli, Jause, Käseplatten oder selbst gemachten Energiekugeln.
Welche Gewürze passen zu Zwetschken?
Das Aroma von Zwetschken lässt sich mit verschiedenen Gewürzen und Zutaten ergänzen.
Besonders gut passen:
- Zimt
- Vanille
- Nelken
- Sternanis
- Ingwer
- Kardamom
- Zitronenschale
- Orangenschale
- Rum
- Rotwein
- Walnüsse
- Mandeln
Für herzhafte Rezepte eignen sich zusätzlich Pfeffer, Chili, Rosmarin und Balsamico.
Zwetschken richtig lagern
Frische Zwetschken sollten ungewaschen im Kühlschrank gelagert werden. Am besten werden sie erst kurz vor der Verarbeitung gewaschen.
Sehr reife Früchte sollten möglichst rasch verarbeitet werden. Druckstellen können ausgeschnitten werden, solange die Früchte nicht schimmeln oder unangenehm riechen.
Was tun mit überreifen Zwetschken?
Sehr weiche Zwetschken sind nicht mehr ideal für Kuchen oder Knödel, lassen sich aber noch gut verwenden für:
- Marmelade
- Powidl
- Chutney
- Kompott
- Röster
- Fruchtsauce
- Smoothies
Schimmelige Früchte sollten vollständig entsorgt werden.
Häufige Fragen zur Verarbeitung von Zwetschken
Kann man Zwetschken mit Schale verarbeiten?
Ja. Die Schale wird bei den meisten Rezepten mitverarbeitet. Sie enthält viel Aroma und wird beim Kochen oder Backen weich.
Muss man Zwetschken vor dem Einfrieren blanchieren?
Nein. Waschen, entsteinen und Vorfrieren reicht in der Regel aus.
Wie lange halten eingefrorene Zwetschken?
Bei gleichbleibend niedriger Gefriertemperatur behalten sie mehrere Monate eine gute Qualität.
Was ist der Unterschied zwischen Zwetschken und Pflaumen?
Zwetschken sind meist länglicher, fester und lassen sich leichter vom Stein lösen. Pflaumen sind oft runder und saftiger.
Welche Rezepte eignen sich für besonders viele Zwetschken?
Zwetschkenfleck, Marmelade, Powidl, Chutney und Kompott sind ideal, um größere Mengen zu verarbeiten.
Fazit: Zwetschken lassen sich vielseitig verwerten
Wer Zwetschken verwerten möchte, hat deutlich mehr Möglichkeiten als nur Kuchen und Knödel. Die Früchte lassen sich zu Marmelade, Powidl, Röster, Kompott oder Chutney verarbeiten, einfrieren, trocknen oder für herzhafte Gerichte verwenden.
Gerade bei einer großen Ernte lohnt es sich, mehrere Methoden zu kombinieren: einen Teil frisch verarbeiten, einen Teil einkochen und den Rest einfrieren. So bleibt das intensive Zwetschkenaroma weit über die Saison hinaus erhalten.
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Foto von Sabine, meinhaushalt.at