Vor zwei Jahren wurden unsere stromfressenden Nachtspeicheröfen durch eine Gasheizungsanl
age ersetzt. Nicht nur optisch wirkten unsere Räume größer und moderner, auch die Wärme an kalten Wintertagen war ganz anders. Dennoch blieb ein übler Beigeschmack, denn die Platten auf denen die ehemaligen Nachtspeicheröfen standen, waren noch an Ort und Stelle. Sie waren seinerzeit auf Estrichplatten geschraubt worden und standen als Platzhalter nun noch undekorativ und nichtsnutzig im Raum.

Natürlich sollte dieser Zustand nicht so bleiben und so planten wir einfach die Platten zu entfernen. Die Ernüchterung folgte, als wir bemerkten, dass der PVC in sämtlichen Räumen natürlich um die Holzplatten gelegt worden war. Würden wir die Platten also einfach entfernen, hätten wir Löcher im PVC – nicht sehr schön und ein Zustand, mit dem ich keineswegs leben wollte. Also befanden wir, dass die Platten eben dann weichen müssten, wenn wir irgendwann alle Räume gänzlich mit neuen PVC-Belägen ausstatten würden. Aber wann würde das wohl sein? Wir haben zwei kleine Kinder und dann müssten auch sämtliche Möbel verrückt werden…oje!

Fliesen verlegen leicht gemacht – oder so ähnlich…

Dann kam mir plötzlich ein Gedanke. Warum nicht die Idee einer Freundin aufgreifen, die in ihrem Heim ihre Böden ähnlich aufgewertet hatte: mit Bruchmosaik Räume verschönern.

Und so fuhr man in den Baumarkt und kaufte

  • Fliesenkleber
  • Bruchmosaik aus Marmor
  • Fliesen in Terrakotta-Optik
  • mehrere Eimer
  • eine Zahnkelle
  • Fugenmörtel (und später noch auf Anraten meines Vaters Fugenbreit) sowie
  • Schwämme.

Nun kann es losgehen? Oder etwa nicht?

Ich habe meinem Vater in der Jugend sehr oft bei Bauarbeiten zugesehen. Er ist gelernter Maurer und obwohl ich nur Handlanger war, dachte ich, dass solche Fliesenarbeiten doch nicht wirklich schwer sein können. Nach 3 Tagen Arbeit kam die Ernüchterung: es kann schwer sein, es ist ein Knochen-Job, aber es hat sich beileibe gelohnt. Doch zurück zur Arbeit.

Nachdem mein Mann die ehemaligen Nachtspeicheröfen-Platten entfernt hatte (was sich im Nachhinein als wahrer Kraftakt entpuppte, da sich die Schrauben mit der Zeit scheinbar verbogen hatten) und den PVC-Belag haargenau entfernt hatte, reinigte ich den Boden vom Dreck. Wichtig: der Boden, auf dem man arbeiten möchte, sollte

  • ebenmäßig
  • fest
  • tragfähig
  • trocken und
  • frei von haftungsmindernden Stoffen sein.

Soviel dazu. Als ich der Meinung war, dass der Boden nun sauber genug sei, ging es an das Anrühren des Fliesenklebers. Eine Anleitung war auf der Packung verzeichnet, ein Eimer und Wasser standen bereit. Nach dem Anrühren trugen wir die Kleber auf den Boden auf. Mit einer Zahnkelle zu arbeiten, wenn man als Neuling dieses Gebiet betritt, ist zuerst gar nicht so einfach, wie man gedacht hätte. Dennoch macht Übung den Meister. Es dauerte allerdings alles viel, viel, viel länger als ich vermutet hätte. Als ich jedoch eine Fläche von einem Meter nach meiner Ansicht gut ausgearbeitet hatte, ging es an Schritt Nr. 2: das lose Bruchmosaik einsetzen.

Wir hatten uns einen Sack Marmor-Bruchmosaik besorgt und quadratische Fliesen in Terrakotta-Optik. Letztere wies ich meinen Mann an mit einem Hammer zu bearbeiten, so dass schöne Stücke herauskämen. Mein Mann fand diese Arbeit klasse, das Ergebnis war auch zufriedenstellend. Allerdings: die Scherben waren klingenscharf. Wer diesen Schritt nachfolgen möchte, sei gewarnt: vorsicht walten lassen und vielleicht sogar mit Handschuhen arbeiten.

Dann folgte der zweite Schock: der Fliesenkleber trocknet ja schneller als gedacht. Stand auf der Packung nicht Verarbeitungszeit von 3-4 Stunden? Mit viel Nacharbeiten, reichlich fluchen, aber auch viel Geduld und Spaß entstand somit nach 4,5 Stunden Arbeit endlich das erste Resultat. Im Wohnzimmer hatte ich eine Fläche von ca. 4 Metern Länge und 34cm Breite mit kleinen bis mittelgroßen losen Bruchmosaik bearbeitet. Körperlicher Zustand: meinen Händen geht es gut, aber der Rücken schreit und die Beine sind taub. Allerdings bin ich zufrieden und freue mich auf morgen. Da will ich mich nämlich auf die Küche stürzen.

Mit Fugenbreit dem Abschluss entgegenarbeiten

Am nächsten Tag wurde das Spiel in der Küche wiederholt – am dritten Tag sollte es an das Verfugen gehen. Wichtig für das Verfugen: der Fliesenkleber muss ausgehärtet und trocken sein. Ohne diese Maßgaben kann man nicht weiterarbeiten. Warum nicht? Ist der Fliesenkleber noch feucht und wird dennoch verfugt, kann es passieren, dass sich Schimmel unter der Fugenschicht bildet. Außerdem reißt man eventuell die Fliesen oder in meinem Fall das Mosaik wieder hoch. Damit wären zwei Tage Arbeit für die Katz gewesen. Nein, da wartet man, kontrolliert den Fliesenkleber und schaut, ob alles trocken und ausgehärtet ist. Kleiner Tipp: liegen eventuelle Klebereste zu hoch, kann man diese einfach mit einem Schlitzschraubendreher entfernen.

Nun ging es also an das Eingemachte: das Verfugen. Hierfür nutzten wir Fugenbreit, rührten ihn nach Packungsanleitung an und prüften an einer unauffälligen Stelle, ob sich der Mörtel mit unserem Bruchmosaik vertrug. Hierfür nahm ich ein wenig Mörtel auf, trug ihn auf mein Schwammbrett auf und schlämmte ein wenig Mo
saik ein. Diesen Schritt sollte man beachten und überprüfen, ob sich der Mörtel auch einwandfrei von den Fliesen abnehmen lässt und eine optimale Reinigung gegeben ist.

Bei uns ließ sich der Mörtel hervorragend abtragen, also konnte ich vollends loslegen. Da ich mich allerdings für das Bruchmosaik entschieden hatte, war es eine wahre Sisyphusarbeit. Hier gibt es nicht nur ein paar Fugen um die viereckigen Fliesen, sondern zahlreiche, unterschiedlich große Fugen. Ich versuchte den Fugenmörtel dicht und tief in die Zwischenräume meines Mosaiks einzusetzen und arbeitete hier genau und präzise. Nach je einem halben Meter hielt ich inne, und nahm den Überschuss des Mörtels mit einem wassergetränkten Schwamm ab.

Nach und nach konnte man das Resultat erkennen – und es hat sich wirklich gelohnt. Auch wenn der Aufwand groß war, das Abwaschwasser ständig erneuert werden musste und wieder 5 Stunden Arbeit ins Land zogen, war eindeutig ersichtlich, dass sich das Werk erfolgreich gestaltete. Letzte Mörtelschleier nahm ich mit einem trockenen Tuch ab und feuchtete von Zeit zu Zeit das frische Werk mit einem feuchten Schwamm ab. Dies werde ich auch in den nächsten Tagen mehrmals tun müssen, um die Aushärtung der Fugen positiv zu unterstützen und so eine Rissbildung zu vermeiden.

Fazit

BruchmosaikIn naher Zukunft werden auch die anderen Räume aufgebessert werden – es gab hier reichlich Nachtspeicheröfen – aber nach dieser Erfahrung und dem Erlernten wird uns die Arbeit in den nächsten Fällen ganz sicherlich leichter fallen. Auch wenn meine Hände heute deutliche Spuren von harter Arbeit zeigen: es hat sich gelohnt!

Zum Schluss möchte ich meinem Vater danken, der sich in den letzten Tagen mehrere Male die Zeit nahm und mir am Telefon haarklein die einzelnen Arbeitsschritte erklärte, mir wertvolle Tipps ans Herz legte und mit einer biblischen Geduld das eine oder andere nochmals vortragen musste. Danke, Papa, ohne dich hätten wir es nicht geschafft!

Fotos von Janine, meinhaushalt.at